
Gorgast (MOZ) Am Gorgaster Dorfeingang, wo Gartenbau-Pionier Wilhelm van Spronsen ab 1906 Gemüse unter Glas für Berlin zu züchten begann, wird bald Solarstrom produziert. Die Gemeindevertreter stimmten zu, dafür einen vorhabensbezogenen Bebauungsplan aufzustellen und den Flächennutzungsplan ändern zu lassen.
Es geht um eine 6,5 Hektar große Fläche nördlich der L33 am westlichen Ortseingang. Dort, wo einst die Wiege des "Gemüsegartens Berlins" stand, ist heute eine Agrar-Industriebrache mit den verfallenden Gewächshäusern der nach der Wende umgewandelten Gärtnerischen Produktionsgenossenschaft (GPG) Flora, die sich 1971 mit der GPG Manschnow vereint hatte. Dort steht auch noch die Ruine des 1984 errichteten Ölheizkraftwerkes samt Schornstein. Zuletzt waren die Gewächshäuser vor acht Jahren durch das niederländische Unternehmen Springfresh Polska genutzt worden, das in den 100 Meter langen Häusern Stangenbohnen angebaut hatte. Fehlende Glasscheiben wurden durch Plastikfolie ersetzt.
Entsiegelung so weit wie nötig
Eigentümerin ist die Landwirtschaftsgesellschaft Gorgast/Bleyen, deren Geschäftsführer Volker Wendland Gast der Gemeindevertretersitzung war. Die Landwirtschaftsgesellschaft hat dieses Areal und die 6,7 Hektar große Fläche südlich der L33 an die Trierer Firma WES Green verpachtet. Deren Projektentwickler Thomas Ebbinghaus erklärte, dass beide durch die Landestraße geteilten Flächen in einem Verfahren entwickelt werden sollten.
Die bestehenden Baulichkeiten, das betrifft zwei Ställe im südlichen und die Gewächshausanlagen im nördlichen Teil, werden abgerissen und eingeebnet. Der dann insgesamt13,2 Hektar große Park soll rund elf Megawatt Strom als Spitzenwert erzeugen. Die Entsiegelung werde nur so weit wie nötig erfolgen, machte Ebbinghaus deutlich. Für den Solaranlagenbetrieb werden die versiegelten Produktionsstraßen im Areal kein Hindernis sein.
Für die Gemeinde werde der der Park einige Vorteile bringen, so der Projektentwickler. So werden 70 Prozent der Gewerbesteuern in der Standortgemeinde verbleiben. Man biete der Region an, sich an der dort gebildeten Gesellschaften zu beteiligen. Zudem werde darauf geachtet, dass sich Biotope entwickeln können, die die Insekten so dringend benötigen. Und schließlich sei die Solarenergie eine Stromerzeugung, bei der kein Kohlendioxid erzeugt werde, wenn man von der Herstellung der Alu-Ständer und Solarplatten einmal absieht. Die Firma WES Green will sich bemühen, für die Erschließung und den Unterhalt des Parkes regionale Firmen zu binden.
Einspeisung erfolgt in Seelow
Ein großer Kostenfaktor sei der Bau der Überleitung zum Einspeisepunkt in Seelow. Dafür will sich das Unternehmen mit anderen Solarparkbetreibern zusammen tun. Geplant ist die Erweiterung des Solarparks Gorgast entlang der Ostbahn östlich der Ortschaften und der Bau eines Solarparks rings um den künftigen Norma- und Getränkemarkt an der Kreuzung B1/B112.
Beim Einwand, dass es nicht gut sei, Acker zu Solarfeldern zu machen, betätigte Volker Wendland, dass es sich beim Areal nicht um Hochleistungsboden handele. Die Bodenwertzahl wurde mit 60 angegeben. Die Erwartung, dass der Park auch Arbeitsplätze für die Gorgaster schafft, war bei den Gemeindevertretern gering.
August 19, 2020 at 11:09AM
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Dorfentwicklung: Solarfelder statt Gemüse für den Oderbruch - Märkische Onlinezeitung
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